Das Fernwärmenetz Mannheim besteht aus 567 Kilometern Rohrleitung. Das Heizen mit Fernwärme ist eine von mehreren nachhaltigen Möglichkeiten, die besonders größere Städte und Kommunen nutzen können.

Das Fernwärmenetz Mannheim besteht aus 567 Kilometern Rohrleitung. Das Heizen mit Fernwärme ist eine von mehreren nachhaltigen Möglichkeiten, die besonders größere Städte und Kommunen nutzen können.

3. November 2023

Die klimaneutralen Kommunen sind auf dem Weg

Wärmepläne in Baden-Württemberg und Bayern begonnen / Stuttgart verlangt Zielszenario

Die Energiewende funktioniert nur mit dem Blick auf das Gesamtsystem. Dieser Gedanke ist noch nicht bei allen Akteuren angekommen. Dabei nehmen Wärmeplanungsgesetze bereits Kommunen in die Pflicht. Noch zögern einige kleinere Kommunen, sich mit dem Gedanken an einen Wärmeplan zu befassen. Denn die Verpflichtung ist aktuell nur für große Kreisstädte in Baden-Württemberg gesetzlich geregelt, die bis Ende dieses Jahres einen Wärmeplan vorlegen müssen. Die Ausnahmen werden jedoch voraussichtlich nach der Sommerpause von der Bundesregierung geschlossen.

Mehr als 10.000 Gemeinden gibt es derzeit in Deutschland. Von Sylt bis Oberstdorf werden sie alle bald verpflichtet, Wärmepläne zu erstellen, um Deutschlands Wärmewende zu unterstützen. Wärmepläne sollen darlegen, wie die Infrastruktur zum Heizen klimaneutral umgestaltet werden kann. Nach dem bisherigen Wärmeplanungsgesetz sollen Großstädte bis Mitte 2026 ein Konzept erarbeitet haben, kleinere Kommunen haben zwei Jahre länger Zeit. Für Gemeinden bis 10.000 Einwohner soll ein vereinfachtes Verfahren zur Verfügung gestellt werden.
Wärmepläne werden nicht nur für Bürger eine Orientierung bieten, woher die Wärme für Gebäude kommen kann. Die kommunalen Verwaltungen müssen sich ebenfalls eine Strategie einfallen lassen, um die Gebäude und Liegenschaften vor Kälte zu bewahren. Ob ein Haus nun an ein Fern- oder Nahwärmenetz angeschlossen werden kann, oder ob es eine dezentrale Lösung geben muss, wird daraus hoffentlich erkennbar sein.
Neben Bruchsal und Lörrach haben in Baden-Württemberg bis Ende Juni bereits insgesamt sechs Städte einen Wärmeplan eingereicht. Weitere sind in Vorbereitung. Die Klimaschutz- und Energieagentur Baden-Württemberg (KEA-BW) unterstützt bei der kommunalen Wärmeplanung. In Bayern ist die Energieagentur einen eigenen Weg gegangen. Nachdem die KEA zunächst aufgelöst wurde, hat sie sich als Verein erneut gebildet und ist jetzt eine starke Unterstützung für die kommunale Wärmeplanung.

Ein wichtiger Meilenstein auf dem Weg hin zur grünen Wärme ist der Bau einer innovativen Flusswärmepumpe am Rhein. Die Grosskraftwerk Mannheim AG (GKM) baut dazu im Auftrag von MVV eine Flusswärmepumpe. Ab Herbst 2023 wird das Flusswasser des Rheins als klimaneutrale Wärmequelle dienen, um Fernwärme zu erzeugen.

Ein wichtiger Meilenstein auf dem Weg hin zur grünen Wärme ist der Bau einer innovativen Flusswärmepumpe am Rhein. Die Grosskraftwerk Mannheim AG (GKM) baut dazu im Auftrag von MVV eine Flusswärmepumpe. Ab Herbst 2023 wird das Flusswasser des Rheins als klimaneutrale Wärmequelle dienen, um Fernwärme zu erzeugen.

KEA-BW als Ansprechpartner

Da im August bisher nur ein Gesetzesentwurf vorlag, kann die KEA-BW noch keine Aussagen darüber treffen, welche Fristen einzuhalten sind. „Der Wärmeplan ist ein strategisches Instrument an der Schnittstelle Stadtplanung, Energie und Klimaschutz“, erklärt Dr. Max Peters. Er ist Bereichsleiter des Kompetenzzentrums Wärmewende der KEA-BW und mit seinem Team erster Ansprechpartner für Städte, Gemeinden und Landkreise im Südwesten. Damit es nicht bei der Strategieformulierung bleibt, verpflichtet Baden-Württemberg bewusst alle Akteure, „mit mindestens fünf Maßnahmen aus dem kommunalen Wärmeplan innerhalb der ersten fünf Jahre nach Erstellung zu beginnen“.
Der kommunale Wärmeplan soll die Orientierung liefern, um die Detailplanung gezielt anzugehen. Die Verpflichtung bringt einen starken Schub, um Maßnahmen wie den Bau von Wärmenetzen, Installation von Anlagen mit erneuerbarer Energie oder Sanierungen zu verwirklichen. Dabei muss es nicht vorrangig um investive Maßnahmen wie ein Wärmenetz oder eine Wärmepumpe gehen, sondern es genügt schon, wenn ersichtlich wird, wann die konkrete Umsetzung beginnt. Dazu gehört beispielsweise die Frage, wo ein Quartierskonzept oder die Verdichtung eines Wärmenetzes nötig ist.
Baden-Württemberg hat bewusst „einen hohen Grad an Flexibilität bei der Lösungsfindung vor Ort vorgesehen“, betont Peters. Ebenso sieht der Energieexperte einen großen Gestaltungsspielraum bei der Umsetzung der Maßnahmen. Jede Gemeinde kann eigene Schwerpunkte setzen: „Erstens muss die Gemeinde den Plan unter Beteiligung der Öffentlichkeit und Bürgerschaft erarbeiten und alle sieben Jahre weiterschreiben. Zweitens muss sie ein klimaneutrales Zielszenario für das Jahr 2040 mit dem Zwischenziel 2030 entwerfen.“ Am Ende muss der Plan dem Regierungspräsidium vorgelegt werden.

Das Berliner Kraftwerk Charlottenburg an der Spree soll zum größten Stadtwärmenetz Westeuropas ausgebaut werden.

Das Berliner Kraftwerk Charlottenburg an der Spree soll zum größten Stadtwärmenetz Westeuropas ausgebaut werden.

Beratung in Bayern

Der Bayerische Gemeindetag hatte bereits die flächendeckende Verpflichtung der Kommunen in Deutschland gefordert. Bisher sind im bayerischen Klimaschutzgesetz zwei Zielmarken genannt. Bis 2030 soll die Verwaltung von Gemeinden, Städten und Landkreisen klimaneutral sein. Alle weiteren Bereiche wie Privathaushalte, Unternehmen und Verkehr sollen bis 2050 klimaneutral werden. Die bayerische Staatsregierung will demnächst die Klimaziele anheben. Beratung können die Kommunen bei der Landesagentur für Energie und Klimaschutz einholen. Sie empfiehlt das Klimaschutzmanagementsystem der Deutschen Energieagentur (dena) „Energie-Effizienz-Kommune“. Ebenso berät der Verein Bayerische Energieagenturen (BayEA), der zu Jahresbeginn auf zwölf Mitgliedsvereine an 14 Standorten gewachsen ist.
Eine Antwort auf die Forderung nach dem kommunalen Wärmeplan hat beispielsweise die Gemeinde Unterhaching gefunden. Alle Haushalte sollen bis 2028 mit Geothermie versorgt werden. Denn es gibt viele warme Wasserquellen rund um die Gemeinde. Das Warmwasser wird mittels Bohrungen an die Oberfläche geholt, gesäubert und gefiltert. „Dann wird das Wasser auf Wärmetauscher verteilt und in den Fernwärmekreislauf übertragen“, sagt Wolfgang Geisinger, Geschäftsführer des Geothermiewerks, „der läuft bis an jedes einzelne Haus.“ [ dlu ]


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