Blick von der Meersburg auf das größte Binnengewässer Deutschlands: Der Bodensee beherbergt die im Prinzip unfassbare Wassermenge von 48 Milliarden Kubikmetern. In einem Pilotprojekt soll jetzt in mehreren Abschnitten bis zum Jahr 2033 ein Nahwärmenetz entstehen, bei dem man die Wärme aus dem Bodensee nutzen kann. Im Endausbau sollen rund 150 Wohngebäude, öffentliche Gebäude und Unternehmen am Bodenseeufer und in der seenahen Kernstadt versorgt werden.

Blick von der Meersburg auf das größte Binnengewässer Deutschlands: Der Bodensee beherbergt die im Prinzip unfassbare Wassermenge von 48 Milliarden Kubikmetern. In einem Pilotprojekt soll jetzt in mehreren Abschnitten bis zum Jahr 2033 ein Nahwärmenetz entstehen, bei dem man die Wärme aus dem Bodensee nutzen kann. Im Endausbau sollen rund 150 Wohngebäude, öffentliche Gebäude und Unternehmen am Bodenseeufer und in der seenahen Kernstadt versorgt werden.

2. Februar 2024

Energie, die aus dem Wasser kommt

Stadtwerke holen in Zukunft Wärme aus dem Bodensee

Der Bodensee mit seinen über 500 Quadratkilometern bietet ein in Deutschland kaum bekanntes und bisher ungenutztes Potenzial. Denn der See speichert auch Wärme und könnte dank der richtigen Technik zur Heizung einer ganzen Region werden. Das Stadtwerk am See (SWSee) in Friedrichshafen und die Stadt Meersburg bringen deshalb nun die Seewärme auf den Weg. Dafür wird eine gemeinsame Gesellschaft gegründet, denn SWSee und die Stadt Meersburg wollen die Wärme aus dem Bodensee in Zukunft gezielt nutzen.

Der Meersburger Gemeinderat beschloss deshalb im August – wie schon zuvor der Aufsichtsrat des Stadtwerks am See – mit großer Mehrheit die Gründung einer gemeinsamen Gesellschaft, die das Projekt umsetzen soll. Der Plan: In mehreren Abschnitten soll die gemeinsame Gesellschaft bis zum Jahr 2033 ein Nahwärmenetz aufbauen. Im Endausbau sollen rund 150 Wohngebäude, öffentliche Gebäude und Unternehmen am Bodenseeufer und in der seenahen Kernstadt versorgt werden.

Andreas Bachmaier, Leiter der Abteilung Energiesysteme beim Stadtwerk, beziffert den Investitionsbedarf für die neue Gesellschaft auf rund 8,4 Millionen Euro. Die Stadt Meersburg und das Stadtwerk am See sind an der Gesellschaft zu je 50 Prozent beteiligt. Förderungen sind bei dieser Berechnung bereits eingeschlossen. Die Herausforderung liege weniger in der Technik als in der Dimension, wird betont. „Wir bauen eine ökologische Wärmegewinnung aus dem Bodensee auf und errichten über einen Zeitraum von zehn Jahren ein cirka 4,5 Kilometer langes Wärmenetz. Das ist schon eine Herausforderung für unser Team und unsere Partner.“
Robert Scherer, Bürgermeister von Meersburg, setzt große Hoffnungen auf die Seewärme. „Wenn wir es schaffen, die Seewärme in die Altstadt zu bringen, bleiben ihr Flair und ihre Optik erhalten, und im Hintergrund haben wir dennoch eine zukunftsweisende neue Technologie. Deshalb suchen wir neue Wege, und ich bin überzeugt, dass wir die Seewärme hinbekommen.“

Seewärme basiert auf einer relativ simplen Technik. Wasser aus dem Bodensee wird in 20 bis 40 Metern Tiefe erfasst und über eine Leitung in eine Energiezentrale geführt. Im Wärmetauscher gibt das Seewasser die Wärme an einen zweiten Wasserkreislauf ab. Das Seewasser wird dann etwas kühler und unbelastet zurück in den See geleitet. Im zweiten Wasserkreislauf wird die gewonnene Wärme mit Wärmepumpen auf Heiztemperatur gebracht und über das Wärmenetz an die angeschlossenen Gebäude verteilt. Rund 83 Prozent der benötigten Wärme werden über diese Wärmepumpen erzeugt. In der geplanten neuen Anlage in Meersburg soll das System durch ein Blockheizkraftwerk und einen Spitzenlastkessel unterstützt werden. Zusätzlich soll nach der Fertigstellung Wärme in einem Speicher zwischengelagert werden.

In etwa 20 bis 40 Metern Tiefe wird Wasser aus dem Bodensee entnommen und einem Wärmetauscher zugeführt, wo die Seewärme an einen zweiten Kreislauf abgegeben wird. Im zweiten Wasserkreislauf wird die gewonnene Wärme mit Wärmepumpen auf Heiztemperatur gebracht und über das Wärmenetz an die angeschlossenen Gebäude verteilt.

In etwa 20 bis 40 Metern Tiefe wird Wasser aus dem Bodensee entnommen und einem Wärmetauscher zugeführt, wo die Seewärme an einen zweiten Kreislauf abgegeben wird. Im zweiten Wasserkreislauf wird die gewonnene Wärme mit Wärmepumpen auf Heiztemperatur gebracht und über das Wärmenetz an die angeschlossenen Gebäude verteilt.

Bodensee als Energiequelle – die Schweizer machen es vor

Für das Nachbarland Schweiz ist Seewärme nichts Neues. Im Nachbarland nutzt man bereits seit 80 Jahren die Seen als Energiequellen. Die Schweizer wärmen damit nicht nur ihre Häuser, sie nutzen sie im Sommer auch für Klimaanlagen und zur Kühlung. Schon in den 30er-Jahren gab es dort die ersten Anlagen dieser Art. Aktuell betreiben die Schweizer zwanzig Anlagen zur Wärmegewinnung. Allerdings nicht nur am Bodensee. Das Elektrizitätswerk Zürich plant beispielsweise zurzeit, Gebäude der Züricher Innenstadt in Zukunft mit dem konstant vier Grad kalten Tiefenwasser des Zürichsees im Sommer über Wärmetauscher zu kühlen und im Winter Geschäfte und Wohnungen zu heizen. Weitere 50 Seeprojekte sind in der ganzen Schweiz bereits in Planung.

Schäden für die Umwelt?

Ganz problemfrei ist die Energiegewinnung aus dem See natürlich nicht. So kann der See aufgrund einer zu massiven Wärmegewinnung abkühlen. Forscher beruhigen jedoch. Studien haben gezeigt, dass der See höchstens um ein Zehntel Grad kühler werden könnte. Die Abkühlung sei so gering, dass sie auf Flora und Fauna keinen Einfluss habe. Problematischer sind dagegen die technischen Anlagen in Seenähe. Hier müssen die Planer auf ökologisch und touristisch wertvolle Gelände achten. Weder Badeplätze noch Aussichtspunkte dürfen darunter leiden. Auch ökologisch wichtige Schilfgürtel und Fisch-Laichplätze müssen beachtet werden. Trotzdem bleibt natürlich die bange Frage, ob diese zahlreichen Projekte dem See auf Dauer nicht schaden könnten. So hat man sich im Institut für Seenforschung der Landesanstalt für Umwelt (LUBW) in Langenargen, das über das Wohlergehen des Bodensees wacht, ausführlich mit dieser Frage beschäftigt und kam zu dem Schluss, dass die Anrainerstaaten hier zusammenarbeiten müssen. Außerdem gäbe es bereits genaue Vorgaben, an die sich alle halten müssen.
So sind beispielsweise die oberen zwanzig Meter für die Ökologie reserviert. Unter vierzig Metern Wassertiefe wird der Bodensee intensiv für Trinkwasser genutzt – über fünf Millionen Menschen trinken aus dem Bodensee. Die zwanzig Meter dazwischen, also zwischen zwanzig und vierzig Metern, sind die für die Wärmegewinnung potenzielle Schicht. Die Bodenseerichtlinien zur thermischen Nutzung des Bodensees sollen auch in Zukunft ein verlässliches Instrument für die Planer und ein Beurteilungsinstrument für die Genehmigungsbehörden in den Anrainerstaaten sein. Außerdem ist Seewärme wirklich nichts Neues. Nicht nur die Schweiz ist hier schon lange aktiv. Auch auf deutscher Seite gibt es bereits dementsprechende thermische Projekte. So nutzt die MTU in Friedrichshafen Bodenseewasser schon sehr lange als Kühlwasser für ihre Motorenprüfstände, die Uni Konstanz nutzt es ebenfalls zur Kühlung.

Die Gründungsmitglieder der Seewärme Meersburg GmbH: hinten am Tisch die Geschäftsführer Heike Sonntag und Albert Klesel, vorne links Meersburgs Bürgermeister Robert Scherer und vorne rechts Stadtwerk-am-See-Geschäftsführer Alexander-Florian Bürkle.

Die Gründungsmitglieder der Seewärme Meersburg GmbH: hinten am Tisch die Geschäftsführer Heike Sonntag und Albert Klesel, vorne links Meersburgs Bürgermeister Robert Scherer und vorne rechts Stadtwerk-am-See-Geschäftsführer Alexander-Florian Bürkle.

Weitere Informationen zum Projekt:

www.seewaerme-meersburg.de


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