Der Hauptbahnhof in Aschaffenburg wurde 2012 beim jährlichen Wettbewerb der „Allianz pro Schiene“ zum „Bahnhof des Jahres“ gekürt

Barrierefrei reisen im Bahnland Bayern

Freistaat stemmt bis 2021 eine Daueraufgabe für mehr Mobilität / Damit es vorangeht: Kamelbuckel im Test

Rund 80 barrierefreie Bahnstationen sind im Bahnland Bayern in den letzten fünf Jahren in Betrieb genommen worden. Das ist eine beträchtliche Menge. Mehr als zwei Drittel aller Kunden im Schienenpersonennahverkehr sind damit im Freistaat barrierefrei unterwegs. Das ist den Verantwortlichen aber immer noch nicht genug. Denn rund 60 Prozent der Stationen, an denen allerdings weniger als ein Drittel aller Fahrgäste ein- und aussteigen, sind im größten Bundesland noch nicht komplett barrierefrei. Der weitere Ausbau der Barrierefreiheit im Bahnnetz bleibt somit die nächsten Jahre unsere verkehrs- und gesellschaftspolitische Daueraufgabe.

Die wichtigsten Umbauten in Bayern sind derzeit die beiden Hauptbahnhöfe in Augsburg und Würzburg, die über Jahre Großbaustellen sind.

Der Bund, der für den barrierefreien Ausbau der DB-Bahnhofsinfrastruktur zuständig ist, hat sein Bewusstsein für das Thema in den letzten Jahren geschärft. Das zeigen die Sonderprogramme, die der Bund aufgelegt hat. Dennoch gibt es aus meiner Sicht noch Luft nach oben.

Wie wichtig den Ländern und zahlreichen Kommunen der Ausbau ist, zeigt das vielfältige und freiwillige Engagement vor Ort. Es sind gerade die Gemeinden, die davon profitieren, wenn der eigene Bahnhof stufenfrei erreichbar ist und  der Bahnsteig idealerweise auch noch die richtige Einstiegshöhe für die Züge hat. Reisende mit körperlichen Einschränkungen, Eltern mit Kinderwägen, Fahrradtouristen, aber auch Geschäfts- und Urlaubsreisende mit Trolleys und Gepäck sind dankbar für jede barrierefreie Infrastruktur in der Reisekette. Blicke man  beispielsweise nach Roding auf der Strecke von Regensburg ins tschechische Pilsen. Mit knapp zwei Millionen Euro hat die Stadt den örtlichen Bahnhof und das Umfeld barrierefrei ausgebaut.

Bis zum Jahr 2021 wollen wir im Freistaat Bayern den weiteren barrierefreien Ausbau der Stationen vorantreiben. Dafür haben wir gemeinsam mit der Deutschen Bahn das „Bayerische Aktionsprogramm für Barrierefreie Stations-Infrastruktur 2021“ (BABSI 21) entwickelt. Zwischen Aschaffenburg und Berchtesgaden wollen wir damit knapp 120 weitere Standorte barrierefrei ausbauen und den Ausbau von rund 90 weiteren Standorten planen. Mehr als eine halbe Milliarde Euro wird damit ins Bahnland Bayern investiert. Damit erreichen wir nochmals zusätzlich 300.000 Reisende. Über 80 Prozent aller Fahrgäste im Schienenpersonennahverkehr werden dann barrierefrei unterwegs sein.

Stufenloser Zugang zum Bahnhof Roding mit zwei neuen Aufzügen

Stufenloser Zugang zum Bahnhof Roding mit zwei neuen Aufzügen

Lag in den früheren Jahren der Fokus auf dem Ausbau der beiden bayerischen S-Bahn-Systeme – die Nürnberger S-Bahn ist mittlerweile fast zur Gänze barrierefrei –, investieren wir jetzt in den Ausbau in der Fläche. Dabei spielt sowohl die Anzahl der Fahrgäste eine Rolle, als auch die Knotenfunktion eines Bahnhofs. Von Bedeutung ist natürlich auch, wenn sich in der Nähe soziale oder touristische Einrichtungen befinden oder wie groß die Distanz zum nächsten barrierefreien Bahnhof ist. Auch große Infrastrukturprojekte haben bei der Gewichtung Bedeutung. So zum Beispiel wenn in Coburg im Rahmen des heuer noch anstehenden Hochgeschwindigkeitslückenschlusses zwischen Bamberg und Erfurt der einzige ICE-Halt auf der Neubaustrecke in Betrieb genommen oder in Amberg das Bahnhofsumfeld  samt Empfangsgebäude neu konzipiert wird. Die Umsetzung des Bahnhofsumbaus in Aschaffenburg dient dabei als leuchtendes Vorbild.

Kommunen wissen, wie langwierig es oft sein kann, mit der Deutschen Bahn Lösungen zu schmieden und umzusetzen. In der Tat muss man sich daher fragen, ob es beim barrierefreien Ausbau nicht auch schneller gehen kann. Wir werden deshalb bei den Bahnhöfen im niederbayerischen Bodenmais und im mittelfränkischen Neuendettelsau  für den barrierefreien Ein- und Ausstieg sogenannte „Kamelbuckel“ in einem Pilotprojekt testen. Dahinter verbergen sich Teilaufhöhungen von Bahnsteigen wie sie in ähnlicher Form heute schon in Belgien bei Trambahnen realisiert wurden.

Was auch immer wir uns einfallen lassen, wo auch immer wir fördern, unterstützen und planen lassen: Wir investieren in die Zukunft. Auf dass das Reisen im Bahnland Bayern immer mehr barrierefrei wird!“

Stufenloser Zugang zum Bahnhof Roding mit zwei neuen Aufzügen


Bayerisches Staatsministerium für Wohnen-Bau-Verkehr Logo

für Wohnen, Bau und Verkehr

Franz-Josef-Strauß-Ring 4
80539 München

Tel. +49 89 2192-02
Fax. +49 89 2192-13350
E-Mail. poststelle@stmb.bayern.de
Web. www.stmb.bayern.de

Mehr von
Bayerisches Staatsministerium


2. August 2017


1 Stern2 Sterne3 Sterne4 Sterne5 Sterne

(5,00 bei 4 Person/en)

Das könnte Sie auch interessieren


Elektrisch betriebene Hybrid-Fahrzeuge für eWayBW-Pilotprojekt gehen auf die Teststrecke

Der Lkw tankt Strom aus der Oberleitung

Das Pilotprojekt eWayBW nimmt Fahrt auf. Landesverkehrsminister Winfried Hermann (MdL) informierte kürzlich in einer öffentlichen Veranstaltung im Landkreis Rastatt gemeinsam mit Vertretern des Bundes, welche Rolle elektrisch betriebene Hybrid-Oberleitungs-LKW... mehr lesen

Drohnen erobern derzeit quasi den Luftraum: Nach aktuellen Zahlen gibt es 500.000 dieser Fluggeräte in Deutschland. Der Einsatz einer Drohne reizt viele Bundesbürger. Obwohl sie als das Männerspielzeug der Gegenwart gelten, haben auch Frauen eine gewisse Schwäche für sie. Aber zugegeben, Luftaufnahmen haben für fast jeden ihren Reiz.

Mit der Drohne unterwegs

Viele Schritte und Stufen müssten die Mitarbeiter laufen, um sich einen passablen Überblick über Geobasisdaten zu verschaffen. Das STADTWERK AM SEE in Friedrichshafen geht neue Wege. Mit dem Einsatz... mehr lesen