Stuttgart Egelsee

Auch in Stuttgart gilt: mehr Grün und mehr Wasser.

5. September 2023

Wie werden Innenstädte wieder zu Identifikationsorte?

Klimaangepasste und nutzungsgemischte Zentren als wichtige Faktoren

Wie können Städte und Gemeinden ihrer Verantwortung zur Belebung der Innenstädte unter anderem durch gestalterisch gelungene Einkaufsstraßen, Plätze mit hoher Aufenthaltsqualität, gute Wegebeziehungen zwischen den Einzelhandelslagen, einen gut ausgebauten ÖPNV, aber auch durch ein gutes Parkplatzangebot und nicht zuletzt die Gewährleistung von Sicherheit und Sauberkeit gerecht werden? Auch der Beigeordnete Bernd Düsterdiek vom Deutschem Städte- und Gemeindebund hat dazu seine Gedanken geäußert.

 

Innenstädte als Orte der Lebensqualität

Portrait Bernd Düsterdiek

Bernd Düsterdiek ist Beigeordneter im Deutschem Städte- und Gemeindebund.

Bernd Düsterdiek: „Mehr Grün, mehr Wasser und weniger Asphalt sorgen für mehr Lebensqualität.“

„Lebendige Innenstädte haben weit über die Versorgung hinaus zentrale Bedeutung. Innenstädte sind und bleiben die Visitenkarte einer Stadt oder Gemeinde. Sie sind für die Menschen Identifikationsfaktor und Heimat sowie gleichzeitig wichtige Orte der Begegnung. Daher ist es erforderlich, gemeinsam mit allen Innenstadtakteuren und der Bürgerschaft kreative Innenstadt-konzepte zu entwickeln.
Dies ist umso wichtiger, da in den Innenstädten und Ortskernen – nicht zuletzt aufgrund des weiter zunehmenden Online-Handels – mit einer weiteren Zunahme von Betriebsschließungen und Leerständen zu rechnen ist. Für das Jahr 2023 geht der Branchenverband HDE für den Online-Handel in Deutschland von einem Umsatzwachstum im Vergleich zum Vorjahr in Höhe von 5,8 Prozent auf dann annähernd 90 Milliarden Euro aus. Knapp 10.000 weiteren Ladengeschäften droht das Aus. Ziel muss es daher sein, unsere Innenstädte als Orte der Nutzungsvielfalt, der Kommunikation und der Lebensqualität zu erhalten und zu stärken.
Gerade nutzungsgemischte Zentren, die eine hohe Aufenthaltsqualität mit attraktivem Einzelhandel, Gastronomieangeboten, innerstädtischem Wohnen, Kultur, Bildung und Freizeitangeboten verbinden, sind ein wesentlicher Erfolgsfaktor. Darüber hinaus muss es gelingen, unsere Innenstädte und Ortskerne an den Erfordernissen von Nachhaltigkeit und Klimaschutz auszurichten und umzubauen. Extremwetterereignisse wie Starkregen, Hitze und Dürre verdeutlichen, dass es in diesem Zusammenhang kein „Weiter so“ geben darf. Eine klimaangepasste Stadtentwicklung ist für eine lebenswerte Innenstadt unerlässlich. Mehr Grün, mehr Wasser und weniger Asphalt und Beton müssen zukünftig für ein besseres Mikroklima und damit für mehr Lebensqualität sorgen.

Städte und Gemeinden werden darüber hinaus ihrer Verantwortung zur Belebung der Innenstädte unter anderem durch gestalterisch gelungene Einkaufsstraßen, Plätze mit hoher Aufenthaltsqualität, gute Wegebeziehungen zwischen den Einzelhandelslagen, einen gut ausgebauten ÖPNV, aber auch durch ein gutes Parkplatzangebot und nicht zuletzt die Gewährleistung von Sicherheit und Sauberkeit gerecht.
In diesem Zusammenhang ist es zu begrüßen, dass bereits im Juli 2021 die vom Beirat Innenstadt des Bundesbauministeriums erarbeitete Innenstadtstrategie „Die Innenstadt von morgen – multifunktional, resilient, kooperativ“ veröffentlicht wurde. Sie soll als Hilfestellung für die Kommunen zur Bewältigung der anstehenden Herausforderungen bei der Innenstadtentwicklung dienen. Nun kommt es darauf an, diese Empfehlungen zügig umzusetzen und den Rechtsrahmen – wo notwendig – nachzuschärfen.

 

Stadtverkehr: Straße mit Allee

Bäume als Schattenspender oder andere Arten der Beschattung werden in Städten immer wichtiger.

 

Angesichts der vielfältigen Herausforderungen in den Innenstädten bedarf es aber auch in Zukunft einer angemessenen Förderpolitik. Neben einer langfristigen Stärkung der Bundesstädtebauförderung wäre es zum Beispiel sinnvoll, wenn Bund und Länder sogenannte Innenstadtfonds auflegen. Die Wirksamkeit derartiger Förderungen hat sich in der schwierigen Corona-Zeit gezeigt. Kommunen müssen insbesondere bei Schlüsselimmobilien einen verbesserten Zugriff bekommen und temporär in den Grunderwerb oder in eine Miete gehen können. Nur dann werden sich neue Nutzungskonzepte und kreative Ideen auch tatsächlich umsetzen lassen. Ein Innenstadtfonds sollte auch zur Erarbeitung und Aktualisierung von Innenstadtkonzepten, zur Analyse der Leerstandsituation sowie zur Etablierung von Austauschformaten der Kommunen mit allen Innenstadtakteuren genutzt werden können. Bund und Länder bleiben somit gefordert, die Kommunen bei dieser wichtigen Aufgabe auch in Zukunft zielgerichtet zu unterstützen.“

 

 

Kontakt:
Deutscher Städte- und Gemeindebund e.V.
Marienstraße 6
12207 Berlin (Lichterfelde)
Tel.: 030 / 773 07-0
dstgb@dstgb.de
www.dstgb.de

 

Weitere Statements zum Thema von:
Martin Joos, Vorstandsvorsitzender der Garten-, Landschafts- und Sportplatzbau Baden-Württemberg e. V.
Christian Bernreiter, Staatsminister im bayerischen Staatsministerium für Wohnen, Bau und Verkehr
Dr. Peter Markert, geschäftsführender Gesellschafter der imakomm in Aalen bei Stuttgart

Wir bedanken uns ganz herzlich dafür!

 

_________________________

 

Diskutieren Sie mit!

 

Wie lassen sich unsere Innenstädte wieder attraktiver gestalten?
Wie können wir klimatische Hotspots in Ortszentren durch Umgestaltungen entschärfen?
Durch welche Lösungen können wir Leerstände reduzieren?

Haben Sie selbst Erfahrungen in diesem Bereich?
Wir sind gespannt auf Ihre/Eure Statements!


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Redaktion KOMMUNALtopinform
Verlag und Medienhaus Harald Schlecht
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78532 Tuttlingen

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