Grüne Oasen in kleiner Altstadt

Grüne Oasen beeinflussen das Stadtklima positiv und machen Orte attraktiv.

5. September 2023

„Frag doch mal …“ was gegen die Verödung von Innenstädten hilft?

KOMMUNALtopinform hakte in Sachen „Wohlfühlfaktoren für Städte“ nach

Jeder kennt sie, die menschenleeren Innenstädte mit ihren geschlossenen Geschäften. Wobei einige Kommunen stärker betroffen sind als andere. Insgesamt beträgt die Leerstandsquote inzwischen jedoch bereits 15 Prozent und sogar 20 Prozent in den Randlagen der Zentren. Online-Shopping wird immer beliebter. Cafés und Restaurants, die etwas außerhalb oder in den Quartieren liegen, sind für die Anwohner oft attraktiver. Was kann man tun, damit die Innenstädte ihre alte Anziehungskraft zurück erhalten? KOMMUNALtopinform hat vier Experten befragt.

 

Grüne Oasen für die Gesundheit: Sie steigern unser Wohlbefinden

Martin Joos ist Vorstandsvorsitzender des Verbands Garten-, Landschafts- und Sportplatzbau Baden-Württemberg e. V.

Martin Joos ist Vorstandsvorsitzender des Verbands Garten-, Landschafts- und Sportplatzbau Baden-Württemberg e. V.

Martin Joos: „Der Garten- und Landschaftsbau kann helfen, Städte attraktiver zu machen.“

„Zum Einkaufen braucht es keine Innenstädte mehr. Das Angebot im World Wide Web ist grenzenlos, und hier lässt sich in Windeseile alles bestellen, was an Luxus oder Notwendigem fehlt. Dazu braucht es weder ein Auto noch einen teuren Parkplatz in der Innenstadt.
Doch was bei dieser Art von Konsum fehlt, ist meines Erachtens das Erlebnis, das gemeinsame Shoppen, Hand in Hand oder als Familie. Hinzu kommt, dass sich viele Stadtzentren im Sommer durch die komplette Versiegelung und die riesigen Fassadenflächen unangenehm aufheizen. Die Aufenthaltsqualität sinkt und die Lust auf Innenstadt geht im Sommer gegen Null.
Gegen diese hohen Temperaturen kann der Garten- und Landschaftsbau mit kühlenden Maßnahmen helfen, und das ist wissenschaftlich nachgewiesen: Dachbegrünungen, Fassadenbegrünungen und schattenspendende Bäume führen schnell zu einer wahrnehmbaren Steigerung der Lebensqualität im urbanen Raum. Neu gepflanzte Bäume sollten aus den sogenannten Klimabaumarten wohl überlegt ausgewählt werden, denn sie müssen eine hohe Trockenheitstoleranz aufweisen. Dach- und Fassadenbegrünungen kühlen die Städte durch ihre Verdunstungsleistung. Begrünte Dächer können zudem als Dachgarten für Mitarbeiter gestaltet und somit intensiv zur Erholung genutzt werden.
Um den Einzelhandel zu unterstützen, können Städte und Kommunen mit schattigen Plätzen punkten. Restaurants mit einem Biergarten oder Garten-Cafés vor einer kühlenden Fassadenbegrünung unter ausladenden Dachplatanen verzaubern mit ihrem Ambiente und bringen einen hohen Wohlfühlfaktor. Schattige kleine Parks mit Sitzplätzen als kommunikativer Treffpunkt für alle Generationen stärken das soziale Miteinander. Sie verhindern Einsamkeit und wirken sich positiv auf die psychische Gesundheit der Bewohner aus. Grünanlagen ermöglichen es auch der älteren Generation, die immer heißer werdenden Sommer nicht nur in der künstlich gekühlten Wohnung zu verbringen. Zusammen mit einer klugen Pflanzenauswahl, wie beispielsweise trockenheitsverträglichen Stauden und einem ausgeklügelten Regenwassermanagement, das die automatische Bewässerung speist, lassen sich diese grünen Oasen nachhaltig erhalten – ganz ohne wertvollen Trinkwasserverbrauch.
Das Regenwassermanagement unserer Städte muss deshalb komplett neu gedacht und organisiert werden. Dann ergeben sich unglaublich viele Synergien zwischen Blau und Grün, also zwischen Wasser und Pflanzen. Damit einher geht die Steigerung des Wohlfühlfaktors, unsere Städte werden wieder lebenswert.

 

Dortheen Quartier in Stuttgart

Im Stuttgarter Dortheen Quartier gab es bis vor kurzem kein bisschen Grün. Aus diesem Grund planten die Landschaftsarchitekten von Green 4 Cities einen kleinen Wald. Das Unternehmen Blattwerk Gartengestaltung setzte das Konzept um.

Ein für mich sehr eindrückliches Beispiel ist das Dorotheen-Quartier in der Stuttgarter Innenstadt. Hier haben die Hochbauarchitekten aus meiner Sicht das notwendige Grün komplett vergessen. Wir haben zusammen mit Mitgliedsbetrieben des Verbands Garten-, Landschafts- und Sportplatzbaus Baden-Württemberg e. V. verschiedene Garten-Installationen in den letzten Jahren gebaut, die sehr gut angenommen wurden. Jetzt entstand gemeinsam mit einem Stuttgarter Mitgliedsbetrieb ein riesiges Hochbeet mit Bäumen und Stauden als Daueranlage. Das zeigt, wie wichtig Grün in der Stadt für das Einkaufserlebnis insgesamt ist, denn es steigert die Verweildauer und animiert nach einer erholsamen Pause, die Shopping-Tour erneut aufzunehmen.
Eine weitere Möglichkeit für mehr Grün in der Stadt ist die Bewerbung für eine Landesgartenschau. Gartenschauen sind der Motor einer modernen grünen Stadtentwicklung. Bei der professionellen Planung fließen nicht nur Ideen der Landschaftsarchitekten ein, sondern erfahrungsgemäß auch Wünsche der Bevölkerung aus veranstalteten Workshops. Die Stadtverwaltungen überdenken die Infrastruktur unter dem grünen Gesichtspunkt, und auch Verbände und Vereine beteiligen sich mit konkreten Ideen und Beiträgen. Nach der Schau bleiben viele Maßnahmen dauerhaft für die Bevölkerung erhalten und sind über Jahrzehnte hinweg ein enormer Zugewinn in der Aufenthalts- und Wohnqualität. Beispiele hierfür haben wir in Baden-Württemberg mehr als genug.“

 

Fassadengrün an einem Parkhaus

In Städten gilt: Je mehr Grün, umso besser. Selbst dann, wenn Fassadengrün ein großes Parkhaus bedeckt.

 

 

Kontakt:
Verband Garten-, Landschafts- und Sportplatzbau Baden-Württemberg e. V.
Filderstraße 109-111
70771 Leinfelden-Echterdingen
Tel.: 0711 / 97566-0
info@galabau-bw.de
www.galabau-bw.de

 

Weitere Statements zum Thema von:
Christian Bernreiter, Staatsminister im bayerischen Staatsministerium für Wohnen, Bau und Verkehr
Dr. Peter Markert, geschäftsführender Gesellschafter der imakomm in Aalen bei Stuttgart
Bernd Düsterdiek, Beigeordneter im Deutschem Städte- und Gemeindebund

Wir bedanken uns ganz herzlich dafür!

 

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Diskutieren Sie mit!

 

Wie lassen sich unsere Innenstädte wieder attraktiver gestalten?
Wie können wir klimatische Hotspots in Ortszentren durch Umgestaltungen entschärfen?
Durch welche Lösungen können wir Leerstände reduzieren?

Haben Sie selbst Erfahrungen in diesem Bereich?
Wir sind gespannt auf Ihre/Eure Statements!


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Redaktion KOMMUNALtopinform
Verlag und Medienhaus Harald Schlecht
Auf dem Schildrain 8
78532 Tuttlingen

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Web. www.kommunaltopinform.de/frag-doch-mal

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