11. März 2024

Wie kann man Energieüberschüsse speichern?

KOMMUNALtopinform hat vier Spezialisten zu diesem Thema befragt

Am 25. Dezember 2023 hatten erneuerbare Energien unerwartet für einige Stunden 124 Prozent des bundesdeutschen Energiebedarfs gedeckt. Kurzfristig kam es sogar zu Negativpreisen – Stromabnehmer bekamen also Geld, wenn sie den überschüssigen Strom abnahmen. Solche Tage kannte man bisher nur von sehr hellen und windreichen Sommerwochen. Die große Menge an erneuerbaren Energien war zwar erfreulich, die Negativpreise zeigten jedoch überdeutlich: Es gibt zu wenig Energiespeicher. Eine Überproduktion an Strom müsste für schwächere Zeiten gespeichert werden. Doch wie kann man erneuerbare Energien in Zukunft besser speichern?

 

Jetzt spielen die Wetterbedingungen eine viel größere Rolle

Michael Class, Leiter der Portfolioentwicklung Erzeugung bei der EnBW

Michael Class, Leiter der Portfolioentwicklung Erzeugung bei der EnBW, einem der größten Energieversorgungsunternehmen Deutschlands und Europas mit Sitz in Karlsruhe.

Michael Class: „Kombinierte Speicherformen machen eine nachhaltige Energieversorgung möglich.“

„Speicher sind die ideale Ergänzung für die Erzeugung von Strom aus erneuerbaren Quellen. Denn die Erzeugungsleistung etwa aus Wind- und Sonnenenergie richtet sich nicht ohne weiteres nach dem Strombedarf aus, wie es bei konventionellen mit fossilen Brennstoffen betriebenen Kraftwerken der Fall ist. Sie hängt viel stärker von den Wetterbedingungen ab. So kann es sein, dass zu manchen Zeiten deutlich mehr Strom aus erneuerbaren Quellen generiert wird, als benötigt wird. Oder umgekehrt: Der Strombedarf kann nicht komplett aus Erneuerbaren gedeckt werden.
Genau an diesem Punkt kommen Speicher ins Spiel: Sie machen es möglich, nachhaltig erzeugten Strom flexibler und unabhängiger vom Zeitpunkt der Erzeugung ins Netz einzuspeisen. Und je höher der Anteil von Strom aus Wind- und Sonnenergie an der Gesamterzeugung wird, desto wichtiger werden solche Speichermöglichkeiten. Batteriespeicher erfüllen dabei vor allem den Zweck der kurzfristigen Steuerung: Sie können schnell reagieren, Bedarfsspitzen abfangen und damit das Stromnetz entlasten. Ist die Auslastung im Netz groß, wird Strom für eine spätere Einspeisung gespeichert. Darüber hinaus helfen sie dabei, die installierte Leistung der Erzeugungsanlagen effektiver zu nutzen.

Somit werden die Anlagen als Ganzes rentabler – für die Betreiber und für die Gemeinden vor Ort, deren Einnahmen hierdurch ebenfalls steigen. Mit Blick auf diese Vorteile hat die EnBW als erstes deutsches Energieunternehmen beschlossen, zukünftig standardmäßig ihre Solarparks mit Batteriespeichern zu planen. Ausnahmen soll es lediglich dann geben, wenn es die Rahmenbedingungen und Gegebenheiten vor Ort nicht zulassen. Aktuell prüft die EnBW zudem, ob wir auch Windparks und bestehende Anlagen mit Batteriespeichern ausstatten. Hierzu geht sie, wo sich ein solcher Speicher anbietet, für die Genehmigungen in die Abstimmung mit den kommunalen Verantwortlichen.

Kinetische Speicher, wie etwa Pumpspeicherkraftwerke, waren lange Zeit vor allem für die mittelfristige Steuerung relevant: Durch sie lassen sich größere Mengen Energie speichern und über längere Zeiträume einspeisen. Mit der Energiewende und der damit einhergehenden stärker witterungsabhängigen Energieerzeugung kommt ihnen nun eine zusätzliche Aufgabe zu: Strom bedarfsgerecht auf Abruf schnell und flexibel zur Verfügung zu stellen und einen stabilen Netzbetrieb zu gewährleisten. Auch wenn das Potenzial für neue Anlagen in Deutschland begrenzt ist: Bestehende Speicherkapazitäten lassen sich teilweise, wie im Falle des EnBW-Pumpspeicherkraftwerks in Forbach, erweitern. Hier bauen wir derzeit ein neues Kraftwerk, wodurch wir die Leistungsfähigkeit der bestehenden Anlage deutlich erhöhen.

Für eine zeitlich noch größere Unabhängigkeit wird klimaneutral erzeugter Wasserstoff als Speichermedium benötigt, mit dem dann entsprechend ausgestattete Gaskraftwerke betrieben werden können. Der Wasserstoff selbst lässt sich gut speichern – ähnlich wie Erdgas. Zum Teil können dieselben Speicher hierfür genutzt werden. An drei Standorten in Baden-Württemberg errichtet die EnBW solche wasserstofffähigen Kraftwerke: in Stuttgart-Münster, in Altbach/Deizisau und in Heilbronn. Sie ersetzen die bislang dort betriebenen Kohlekraftwerke. Auch damit ist die EnBW ein ‚First-Mover‘ in der Energiebranche.

Kombiniert man diese Speicherformen, schaffen sie die Grundlage für eine Stromversorgung aus 100 Prozent erneuerbaren Energien – und damit für das Gelingen der Energiewende in Deutschland.“

 

Wasserkraftwerk

 

 

Kontakt:
EnBW Energie Baden-Württemberg AG
Durlacher Allee 93
76131 Karlsruhe
Tel.: +49 721 63-00   (Telefonzentrale)

www.enbw.com

 

Weitere Statements zum Thema von:
Simon Schlichenmaier, Ministerium für Umwelt, Klima und Energiewirtschaft Baden-Württemberg
Beatrice Schulz, Bundesverband Energiespeicher Systeme e.V.
Gerhard Stryi-Hipp, Fraunhofer-Institut für Solare Energiesysteme ISE in Freiburg

Wir bedanken uns ganz herzlich dafür!

 

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Diskutieren Sie mit!

 

Für den Klimawandel ist es wichtig, dass erneuerbare Energien zum Einsatz kommen.
Doch wie kann man erneuerbare Energien in Zukunft besser speichern?
Durch welche Lösungen können wir bessere Speicher herstellen?

Haben Sie selbst Erfahrungen in diesem Bereich?
Wir sind gespannt auf Ihre/Eure Statements!


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